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Hanna Fiedler


Vita von Hanna Fiedler

Hanna Fiedler ist österreichische Autorin, Ghostwriterin und Vortragende aus Wien. In ihren Romanen erzählt sie von Menschen, deren Leben sich selten an vorgesehene Schubladen hält. Ihre Geschichten führen mitten in gesellschaftliche Wirklichkeiten. Zu einer Frau, die sich gegen Bodyshaming und Diätkultur behauptet, zu Angehörigen von Menschen mit Demenzdiagnose, zu Menschen, deren Kindheit lange Schatten wirft, und zu Momenten, in denen Selbstbestimmung Mut verlangt. Sie verbindet persönliche Geschichten mit sozialer Gerechtigkeit, Pflege, Demenz, Ausgrenzung, weiblichem Selbstwert und gesellschaftlichen Erwartungen. Dabei schreibt sie nah an ihren Figuren, mit Wärme, leisem Humor und einem genauen Blick auf die Widersprüche des Alltags. Zu ihren Büchern gehören „Adiposi Jane“, „Mein(!) Bestes – Finger weg!“, „Gut, dass der Zug nicht kam“, „Unser Leben zu dritt – die Demenz, er und ich“ und „Tinchen und andere Lebensmärchen“.

Interview mit Hanna Fiedler

Wer oder was inspiriert dich zum Schreiben?

Mich inspirieren Menschen und Situationen, bei denen ich kurz innehalte und denke: „Muss ich das wirklich verstehen?“ Oft beginnt eine Geschichte mit einem Gespräch, einer beiläufigen Bemerkung oder einer Regel, die auf dem Papier vernünftig aussieht und im wirklichen Leben erstaunliche Folgen hat. Mich interessieren Menschen, die in gesellschaftliche Schubladen geraten und irgendwann beschließen, darin keine Ordnung zu halten

Wird es ein weiteres Buch geben?

Ja, mehrere Geschichten warten bereits darauf, weitererzählt zu werden. Mich beschäftigen gesellschaftliche Entwicklungen und die Frage, was sie im Leben einzelner Menschen anrichten oder möglich machen. Solange Menschen versuchen, ihren eigenen Weg zwischen Erwartungen, Vorschriften und gut gemeinten Ratschlägen zu finden, wird mir der Stoff kaum ausgehen.

Welches Buch sollte deiner Meinung nach jede:r gelesen haben?

„Irren ist nützlich“ von Henning Beck. Das Buch zeigt auf verständliche und unterhaltsame Weise, warum unser Gehirn Umwege braucht, weshalb Fehler zum Denken gehören und warum vermeintliche Schwächen oft erstaunlich sinnvoll sind. Diese Sichtweise gefällt mir, weil Menschen und ihre Entscheidungen selten so geradlinig sind, wie wir sie im Nachhinein gern erzählen.

Wie würden dich deine Freund:innen beschreiben?

Vermutlich als zuverlässig, hartnäckig und ziemlich neugierig auf Menschen. Ich kann lange zuhören, genau beobachten und über vieles herzlich lachen. Wenn mir etwas wichtig erscheint, entwickle ich allerdings die Ausdauer einer Gelse im Schlafzimmer: Man kann versuchen, mich zu ignorieren, doch ganz verschwinden werde ich deshalb noch lange nicht

Was möchtest du deinen Leser:innen mit auf den Weg geben?

Jeder Mensch trägt eine Geschichte in sich, die es wert ist, genauer betrachtet zu werden. Ich wünsche mir, dass meine Leser:innen meine Figuren eine Weile begleiten, mit ihnen lachen, zweifeln und manchmal auch die eigene Sichtweise überprüfen. Vielleicht bleibt nach der letzten Seite ein Gedanke zurück, der sich beim nächsten vorschnellen Urteil wieder meldet.

Hilfst du auch anderen Autror:innen beim Schreiben und Veröffentlichen ihrer Bücher

Ja. Als Ghostwriterin begleite ich Menschen dabei, aus Erinnerungen, Erfahrungen oder einer ersten Idee ein Buch zu entwickeln. Manche brauchen Unterstützung beim Aufbau, andere beim Schreiben oder bei den vielen Entscheidungen rund um die Veröffentlichung. Die Geschichte und die Stimme des jeweiligen Menschen bleiben dabei im Mittelpunkt. Und gelegentlich verliebe ich mich während des Zuhörens selbst in eine Geschichte und denke: Daraus könnte tatsächlich ein Roman werden.

Was reizt dich eigentlich so an der Entwicklung deiner Protagonistinnen

Meine Protagonistinnen begegnen denselben gesellschaftlichen Erwartungen und Widersprüchen, die auch unser Leben prägen. Jede reagiert anders darauf: mit Humor, Trotz, Anpassung, Rückzug oder einem überraschenden Aufbruch. Mich interessiert der Augenblick, in dem eine Frau beginnt, ihre eigene Geschichte anders zu betrachten. Dabei darf sie widersprüchlich, unbequem, verletzlich und manchmal herrlich unvernünftig sein. Genau dadurch wird sie für mich glaubwürdig.

Pinnwand von Hanna Fiedler

12.12.2020

https://www.facebook.com/photo?fbid=10214323480440450&set=a.1024904242429

Der Journalist Uwe Mauch hat in seinem Artikel "Er, die Demenz und Sie" einen berührenden Artikel über das Buch und die Geschichte des Buches geschrieben. Wertschätzend und einfühlsam hat er gefragt und festgestellt. Und das ist nicht einfach. Schöner Artikel, der sehr aussagekräftig wurde.

12.12.2020

https://schuberttheater.at/lesung-unser-leben-zu-dritt-die-demenz-er-und-ich/

Eine Geschichte über Missbrauch, Verarbeitung, Begleitung und Hoffnung „Ich steh‘ am Bahnhof und warte. Warte auf den Zug, der mich abholt. Aber die Züge nehmen mich nicht mit ...“ Dieses Zitat steht für Annes Leben, bis sie plötzlich erkennt, dass der Bahnhof einfach nur der falsche Ort für sie ist. Sie beginnt einen neuen Platz im Leben zu suchen und startet mit einer Ausbildung zur Lebensberaterin. In dieser Zeit wird sie mit Situationen konfrontiert, die schwer zu erfassen und noch schwerer zu ertragen sind. Oft flüchtet sie sich in eine Märchenwelt und findet damit für sich und ihre Klienten einen Weg, mit den meisten schrecklichen Erlebnissen umzugehen. Guggi Hofbauer wird durch geschickte Fragen NOCH MEHR von der Autorin zu erfahren versuchen. Hanna Fiedler steht auch anschließend noch für Fragen gerne zur Verfügung.

12.12.2020

https://www.facebook.com/567365007047359/videos/413713499592318

Paul Klement hat interviewt und folgendes dazu geschrieben: Im heutigen Interview mit Hanna Fiedler geht es um Kindesmissbrauch! Es hat mich wahrhaft erschüttert was Sie mir da über Ihre Erfahrungen erzählt hat, die Sie in Ihrem neuen Buch aufgearbeitet hat. Schwerverdaulich aber sehenswert!

12.12.2020

https://schuberttheater.at/lesung-unser-leben-zu-dritt-die-demenz-er-und-ich/

Er, die Demenz und ich … Im Sommer 2018 bekam Hanna Fiedlers Welt einen Riss. Einen endgültigen. Franz, ihr Mann, ihr Geliebter, verlor den Kampf gegen seine Krankheit. Doch verloren hatte sie ihn schon Jahre zuvor. An eine Konkurrentin, gegen die niemand ankommt: die Demenz. Wie es sich anfühlt, vergessen zu werden, wie sie im Alltag damit umging und welche enormen Herausforderungen es mit sich bringt, einen Demenzerkrankten zum Partner zu haben, davon erzählt Hanna Fiedler. Dieses Buch öffnet aber auch Wege, gibt Hoffnung und zeigt anderen Betroffenen und ihren pflegenden Angehörigen, dass Humor trotz allem eine gute Medizin ist. Durch den Abend führ die großartige Kabarettistin Guggi Hofbauer Als Eintritt freuen wir uns über eine Spende, da die Einnahmen der Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger gehören werden - Danke dafür schon einmal im Voraus. Aber nicht vergessen - reservieren Sie Ihren Sitzplatz - das Theater ist sehr familiär und klein :-)