Mario Oberstrass
Autor:innenseite von
Mario Oberstrass
Vita von Mario Oberstrass
Bibliografie von Mario Oberstrass
Interview mit Mario Oberstrass
Wer oder was inspiriert dich zum Schreiben?
Nicht Inspiration, sondern Ärger. Ich habe in 20 Jahren Handel gesehen, wie Unternehmen mit Motivationsprogrammen, Kontrollsystemen und Folien gegen Probleme ankämpfen, die eine einzige klare Entscheidung gelöst hätte. Ich schreibe über das, was ich in Filialen, Regionalleitungen und Bewerbungsgesprächen wirklich beobachtet habe, nicht über das, was in der Theorie schön klingt. Wenn ein Leser nach einem Kapitel etwas anders macht, hat das Buch seinen Zweck erfüllt.
Wird es ein weiteres Buch geben?
Ja. Ich arbeite an einem Buch über Führung im Handel und in dezentralen Organisationen, also dort, wo der Chef nicht jeden Tag im selben Raum sitzt wie sein Team. Es baut auf dem KOMPASS-Modell auf und richtet sich an Unternehmer, Führungskräfte und HR-Verantwortliche, die Verantwortung übertragen wollen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Welches Buch sollte deiner Meinung nach jede:r gelesen haben?
„... trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl. Frankl beschreibt, dass zwischen Reiz und Reaktion ein Raum liegt, in dem wir entscheiden. Genau dieser Raum ist es, um den es in Führung, in Selbstführung und beim Eisbaden geht: Man kann die Umstände selten ändern, aber immer die Haltung, mit der man ihnen begegnet.
Wie würden dich deine Freund:innen beschreiben?
Direkt, verlässlich und manchmal anstrengend, weil ich Dinge anspreche, die andere lieber unausgesprochen lassen. Wer mich länger kennt, weiß, dass ich lieber einmal ehrlich widerspreche, als dreimal freundlich zuzustimmen. Und dass ich morgens um sechs im See bin, auch im Jänner.
Was möchtest du deinen Leser:innen mit auf den Weg geben?
Niemand wird kommen. Kein Chef, kein Coach, kein perfekter Moment. Was sich in deinem Leben oder in deinem Unternehmen ändern soll, beginnt mit einer Entscheidung, die du trotz Unsicherheit triffst, und mit dem nächsten kleinen Schritt, den du morgen früh tatsächlich gehst. Alles andere ist Vorbereitung auf ein Leben, das man dann doch nicht führt.
Was hat der Einzelhandel mit mentaler Stärke zu tun?
Alles. Eine Filiale mit 400 Mitarbeitern, ein Samstag vor Weihnachten, drei Krankmeldungen und eine Inventurdifferenz, die der Regionalleiter am Montag sehen will: Dort lernt man, unter Druck zu entscheiden, ohne alle Informationen zu haben, und Verantwortung zu tragen, die man nicht abgeben kann. Das ist keine Theorie aus dem Seminarraum, das ist der Alltag, aus dem meine Bücher entstanden sind.
Warum Eisbaden?
Weil man im kalten Wasser innerhalb von Sekunden erlebt, was man sonst in Jahren nicht lernt: Der Kopf sagt Nein, der Körper hält es trotzdem aus, und nach zwei Minuten ist die Panik weg, obwohl das Wasser gleich kalt ist. Genau das passiert in Veränderungsprozessen, bei schwierigen Gesprächen und vor großen Entscheidungen. Ich nutze das Eisbaden deshalb nicht als Mutprobe, sondern als Training für den Umgang mit Unsicherheit.